„Notfallseelsorge – erste Hilfe für die Seele“

Logo der Notfallseelsorge

  • Ein junges Paar hat sein erstes Kind bekommen. Niedlich sieht es aus: Mit der Stupsnase und den tiefblauen Augen. Es kann schon lächeln und lernt immer mehr, auf seine Umwelt zu reagieren. Eines Morgens wacht die Mutter erst um halb sieben auf: Beim Blick auf den Wecker denkt sie: Das ist ja fantastisch - Annika hat zum ersten Mal durchgeschlafen.
    Leise schleicht sie ins Kinderzimmer. Ihr Kind liegt leblos im Bett. Die herbeigerufenen Sanitäter tun alles Menschenmögliche. Doch der Notarzt kann nur noch den Tod feststellen.
  • Ein Ehepaar hat einen harmonischen Sonntag erlebt. Gemeinsam sind sie gewandert, haben in einer Wanderhütte Kaffee getrunken. Als sie nach Hause kommen, ist es fünf Uhr und draußen immer noch strahlendes Wetter. „Ich glaube, ich nütze das schöne Wetter noch zu einer kleinen Spritztour mit dem Motorrad.“ Die Frau, die seit Jahrzehnten mit der Leidenschaft ihres Mannes leben muss, lacht: „Tu, was du nicht lassen kannst, aber komm nicht zu spät.“ - Stunden später klingelt es an der Haustür. Zwei Polizeibeamte möchten sie sprechen. Den beiden fällt die Übermittlung ihrer Nachricht spürbar schwer: „Es tut uns leid, ihr Mann hat einem Traktor die Vorfahrt genommen“.
  • Alle kennen sie ihn, und sie mögen ihn, den jungen Mann im Ort. Landwirt von Beruf und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Gerade hat er den Hof übernommen und große Pläne für die Zukunft geschmiedet. Nachts wacht er auf: Ein auffälliger Geruch lässt ihn hochschrecken: „Es brennt! Wie kann denn, was ist denn ..., um Himmels Willen die Kinder!“
    Seine Kollegen von der Feuerwehr sind schnell. Es gelingt, alle Menschen zu retten. Viele Tiere aber kommen qualvoll in den Flammen um. Für die Einsatzkräfte ein furchtbarer und belastender Einsatz, den sie nicht so leicht vergessen werden; für den Landwirt der Super-Gau.

Notfallseelsorger im Einsatz (das Bild entstand bei einer Übung)

Während ihrer Einsätze haben Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz und Polizei ihre ganz spezifischen Aufgaben. Neben allem, was technisch und organisatorisch bei Unglücksfällen zu bewältigen ist, bleibt für die seelische Betreuung der Verunglückten, von Angehörigen, von Augenzeugen oder für die Helfenden wenig Raum.

 

Als Antwort auf solche Beobachtungen wurde entsprechender Handlungsbedarf erkannt und im Jahre 2000 die „Notfallseelsorge“ als eine Initiative christlicher Kirchen im Landkreis Freudenstadt gegründet. Beauftragt durch den Landkreis Freudenstadt übernehmen 60 Seelsorgerinnen und Seelsorger aus der Evangelischen-, Katholischen- und Evangelisch-Methodistischen Kirche Dienste in der Notfallseelsorge.

 

30 von ihnen arbeiten zusätzlich zu ihren Aufgaben in den Gemeinden im „Dienst der Rufbereitschaft“ mit, was gewiss eine hohe zusätzliche Belastung bedeutet. Denn konkret bedeutet das: Eine Person, ausgerüstet mit Funkmelder, Notfall-Handy und Einsatzkleidung, ist sieben Tage pro Woche Tag und Nacht erreichbar, um in etwaigen Unglücksfällen eine seelsorgerliche Betreuung

von Betroffenen und auch von Rettungskräften zu gewährleisten. Wenn Einsatzkräfte die Notfallseelsorge anfordern, beauftragt der diensthabende Notfallseelsorger den entsprechenden Ortspfarrer bzw. die Ortspfarrerin, Seelsorge und Beistand, die „Erste Hilfe an der Seele“, wahrzunehmen. Ist dieser nicht erreichbar, macht sich der oder die Diensthabende selber auf den Weg. Im Jahr 2007 war das in 37 Fällen nötig.
So wurden Notfallseelsorgerinnen und – Seelsorger in verschiedenste Situationen gerufen: Häusliche Todesfälle, Suizid(versuch)e, vergebliche Reanimationen, Verkehrsunfälle, Überbringung von Todesnachrichten, Einsätze bei Bränden, allgemeinen Lebenskrisen und zur Betreuung von Einsätzkräften.


Regelmäßig finden auf Landkreisebene Fortbildungsveranstaltungen statt, um für die speziellen Aufgaben in der Notfallseelsorge geschult zu sein.
Hinter allen Aktivitäten steht ein „Arbeitskreis Notfallseelsorge“. Darin arbeiten zur Zeit Vertreter der Evangelischen und Katholischen Kirche mit, sowie wichtige Verantwortungsträger des Deutschen Roten Kreuzes, der Feuerwehr, der Polizei und des Landratsamtes.

Die Fäden für diesen Dienst im Landkreis laufen im Ev. Pfarramt in Kniebis zusammen. Pfarrer Itzek ist neben dem Gemeindepfarramt für die Koordination der Notfallseelsorge zuständig und seitens der Landeskirche nebenamtlich beauftragter Polizei-Pfarrer.

 

Weitere Informationen zum Thema
www.notfallseelsorge.de